Übersetzung beim Fahrrad: Gänge verstehen und beherrschen

Fahrradkette
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Übersetzung beim Fahrrad: Gänge verstehen und beherrschen

Titelbild: CC by Ippicture auf Pixabay

 

Dass die Übersetzung Ihres Fahrrads ungeeignet ist, erkennen Sie beispielsweise daran, dass Sie Steigungen nicht bezwingen oder auch auf ebener Straße trotz starkem Treten in die Pedale nicht an Tempo zulegen können. In diesem Fall sind mechanische Maßnahmen erforderlich. Worum es sich bei Übersetzung und Entfaltung eigentlich handelt und wie Sie das richtige Übersetzungsverhältnis für Ihr Gefährt finden, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Was ist die Übersetzung beim Fahrrad?

Kurz gesagt, ist die Übersetzung beim Fahrrad das Verhältnis der Drehzahl von Kettenblatt und Ritzel. In der Regel hat eine Umdrehung des Kettenblatts ein Mehrfaches der Umdrehungen des Ritzels zur Folge. Um das zu verstehen, machen wir einen kleinen Exkurs in die Grundlagen der Übersetzung.

Grundlagen der Fahrrad Übersetzung: Wie funktioniert der Antrieb?

Wenn wir in die Pedale treten, kommt das Kettenblatt dadurch in Drehung. Denn die Pedale sind mit der Kurbel verbunden, welche sich am Kettenblatt befindet. Dieses wiederum ist über die Kette mit dem hinteren Ritzel verbunden. Entsprechend dreht sich das Hinterrad beim Treten in die Pedale und das Fahrrad bewegt sich fort. Da ein Rad ohne Gangschaltung in der Regel über ein Kettenblatt verfügt, das größer als das hintere Ritzel ist und mehr Zähne hat, kommt es bei einer Umdrehung des Kettenblatts zu einem Mehrfachen der Umdrehung des Ritzels. Einfach ausgedrückt: Drehen sich die Pedalen einmal vollständig, dreht sich das Hinterrad in der Zeit mehrfach.

Bedeutung der Gangschaltung für die Fahrrad Übersetzung

Die Gangschaltung ist hinsichtlich der Übersetzung grundlegend, denn ohne sie gibt es nur eine einzige, festgelegte Übersetzung. Durch die Schaltung hingegen können Sie die Übersetzung Ihres Fahrrads direkt beeinflussen. Das funktioniert, indem Sie auf unterschiedlich große Kettenblätter und Ritzel schalten und so den nötigen Kraftaufwand anpassen.

 

Bild: CC by Hhach auf Pixabay

Bei hügeligen Pfaden oder starkem Gegenwind ist ein leichter Gang ratsam. Also einer, der für eine Radumdrehung mehrere Umdrehungen der Pedale notwendig macht. Auf ebenen Strecken oder bergab empfiehlt sich ein schwerer Gang. Sie wählen also den größten Zahnkranz an der Kurbel und den kleinsten am Hinterrad, sodass das Rad mehrere Male bei einer Kurbelumdrehung rotiert.

Am häufigsten Einsatz finden Ketten- und Nabenschaltung . Letztere verfügen meist über weniger Gänge, haben somit einen kleineren Übersetzungsbereich und werden häufig für Gebrauchsräder und Citybikes verwendet. Die Kettenschaltung auf der anderen Seite wird vorzugsweise bei Rennrädern, Mountainbikes, Trekking- und Gravelbikes eingesetzt. Das heißt bei Fahrrädern, bei denen Geländegängigkeit und Geschwindigkeit essentiell sind.

Was ist die Entfaltung?

Die Übersetzung beeinflusst neben der Kraft, die Sie beim Treten aufwenden müssen, auch den Weg, den das Fahrrad bei einer Umdrehung der Pedale schafft: die sogenannte Entfaltung. Dabei handelt es sich um die Länge der Strecke, die das Rad bei einer Tretkurbel-Umdrehung zurücklegt. Wie Sie die Entfaltung und Übersetzung beim Fahrrad berechnen, schauen wir uns gleich an. Zunächst ist es aber wichtig, die Angaben in den Herstellerangaben zu verstehen.

Angaben zur Kurbel und Kassette verstehen

Wollen Sie die Übersetzung Ihres Fahrrads berechnen, werfen Sie zunächst einen Blick in die Herstellerangaben. Zahlenkombinationen wie 46|34|24 geben Informationen über die Anzahl der Zähne auf dem Kettenblatt preis. Drei Zahlen bedeuten, dass auf der Achse drei Kettenblätter nebeneinander liegen, wobei das größte davon 48, das mittlere 36 und das kleinste 26 Zähne besitzt. Nun fehlt noch die Anzahl der Zähne des kleinsten sowie größten Zahnkranzes bei den Ritzeln am Hinterrad, auch bekannt als Kassette. Beispielsweise 11|28.

Bild: CC by Freepik auf Freepik

Berechnung der Übersetzung und Entfaltung

Die Übersetzung beim Fahrrad zu berechnen, funktioniert recht einfach. Dafür müssen Sie einfach die Anzahl der Zähne auf dem Kettenblatt durch die Anzahl der Zähne auf dem Ritzel dividieren.

Die maximale Übersetzung ergibt sich aus den Werten des größten Kettenblatts und des kleinsten Ritzels. Gehen wir von den oben erwähnten Werten aus, ergibt sich folgende Übersetzung:

Max. Übersetzung = 46/11 = 4,18

Das bedeutet, eine Umdrehung des Kettenblatts, hat 4,18 Umdrehungen beim Ritzel zur Folge.

Die minimale Übersetzung hingegen ergibt sich, wenn Sie den kleinsten Wert beim Kettenblatt durch den zweiten Wert beim Ritzel teilen:

Min. Übersetzung = 24/28 = 0,86

Um schließlich die Entfaltung zu ermitteln, multiplizieren Sie die errechnete Übersetzung mit dem Radumfang in cm. Gehen wir von einem Umfang von 200 cm aus, beträgt die Entfaltung bei maximaler Übersetzung (4,18x200) 836 cm und bei minimaler Übersetzung (0,86x200) 172 cm.

Kann man die Fahrrad Übersetzung selbst ändern?

Eine unpassende Übersetzung kann sich auf unterschiedliche Art und Weise erkennbar machen:

  • Sie können trotz gewissenhaften Schaltens keine gleichmäßige Trittfrequenz durchhalten
  • Um komfortabler oder sportlicher zu fahren, fehlt Ihnen ein leichterer bzw. schwererer Gang

In diesem Fall ist nicht gleich der Kauf eines neuen Rads notwendig. Stattdessen können Sie mit etwas technischem Grundverständnis die Übersetzung beim Fahrrad auch selbst anpassen.

Bei der Kettenschaltung gibt es zwei Möglichkeiten, das Übersetzungsverhältnis anzupassen: zum einen der Tausch des Kettenblatts und zum anderen das Wechseln der Kassette. Zu berücksichtigen ist dabei der Kosten-Nutzen-Faktor, denn nicht nur Kettenblätter und Kassetten sind oftmals hochpreisig. Häufig benötigen Sie darüber hinaus auch spezielle Werkzeuge und ggf. eine neue Fahrradkette sowie Umwerfer aufgrund des veränderten Antriebs.

Bei einer Nabenschaltung gestaltet sich das ganze etwas aufwendiger. Denn da es sich um eine geschlossene Schalteinheit handelt, kann an der Kassette selbst nichts geändert werden. Allerdings können Sie ein neues Kettenblatt oder Ritzel mit mehr oder weniger Zähnen einbauen, um den Tretwiderstand zu verändern. Werfen Sie vorab allerdings einen Blick auf die Hinweise in den Herstellerangaben. Unabhängig von der Schaltung sollten Sie sich im Zweifel von Spezialisten beraten lassen.

Bild: CC by DCStudio auf Freepik

Übersetzungsbereiche verschiedener Fahrradtypen

Je nach Fahrradtyp unterscheiden sich die Übersetzungsbereiche:

E-Bikes

Bei E-Bikes beispielsweise werden Ketten- oder Nabenschaltungen verwendet, in denen bereits die optimale Übersetzung verbaut ist. Der Motor unterstützt Sie nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Daher muss die Bandbreite nicht so groß sein, wie bei anderen Rädern.

Trekkingbikes

Trekkingbikes hingegen sind meist mit Kettenschaltung und einer 3-Fach-Kurbel ausgestattet. Dadurch, dass es meist für schnelle Fahrten im Überland genutzt wird, ist eine große Bandbreite und große Vielfalt an Gängen wichtig. Durchgesetzt haben sich die Abstufungen 48|38|28 und 48|36|26, die in Kombination mit einer 11|32 oder 11|34 Kassette eine breite Auswahl an Gängen bieten.

Citybikes

Die meisten Citybikes setzen auf die Nabenschaltung und benötigen keine große Bandbreite, da in der Stadt die Strecken meist eben sind. Dennoch sollten Sie auf die Primärübersetzung achten. Fahren Sie in der Regel gemütlich, dann ist eine Übersetzung mit kleinem Kettenblatt und großem Ritzel ratsam. Bei sportlicheren Fahrern sollten Sie stattdessen ein großes Kettenblatt und ein kleines Ritzel wählen.

Mountainbikes

Bei Mountainbikes ist die Auswahl an verschiedenen Schaltungen riesig. Räder für Einsteiger verfügen meist über 3-Fach-Kurbeln mit der Abstufung 40|30|20 und einer Kassette mit den Werten 11|36. Erfahrene Mountainbiker hingegen setzen auf 1-Fach-, eher noch 2-Fach-Kurbeln. Hier hat sich die Kombination 36|26 vorne und einer 11|42 Kassette durchgesetzt.

Rennräder

Im Rennrad-Bereich gibt es drei verschiedene Kurbelabstufungen, die von der Industrie festgelegt wurden:

  • Standard-Kurbel mit 53|39 Zähnen
  • Semi-Kompakt mit 52|36 Zähnen
  • Kompaktkurbel mit 50|34 Zähnen

Die beliebteste Variante bei Rennen ist die Kompaktkurbel, bei der man zwischen verschiedenen Kassetten – von 11|25 bis 11|36 – wählen kann. Beim Triathlonrad hingegen wird meist entweder die Standard- oder Semi-Kompakt-Kurbel eingesetzt.

Bild: CC by JillWellington auf Pixabay

Welche Rolle spielt die Länge des Schaltwerks?

Doch es gilt nicht nur auf die Anzahl an Gängen zu achten, sondern auch auf das Schaltwerk. Denn auch hiervon gibt es mehrere Optionen, die sich in ihrer Länge unterscheiden: kurz, mittel und lang. Warum es unterschiedliche Längen benötigt? Ganz einfach: Das Schaltwerk ist für das Schalten zuständig und spannt zudem die Kette. Die Kette muss also umso länger sein, je mehr Gänge sowie Kettenblätter vorhanden sind und je größer die Kassette ist. Das bedeutet, auch das Schaltwerk muss länger sein, um die Kette ausreichend spannen zu können.

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