Titelbild by Marek Piwnicki auf Unsplash
Insbesondere bei Outdoor-Fans hat das Bikepacking in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, denn es sorgt nicht nur für maximale Freiheit, sondern auch für Abenteuer. Doch wo genau kommt der Trend her, wie unterscheidet sich das Bikepacking vom klassischen Touring und was sollte ich bei meinem ersten Bikepacking-Abenteuer beachten? Diese und weitere Fragen beantwortet dieser Ratgeber.
Was ist Bikepacking?
Seinen Ursprung hat der Bikepacking Trend in Nordamerika. Die dortigen Mountainbike-Langstreckenrennen, auch bekannt als „Self Supported Races“ lassen sich nämlich nicht an einem einzigen Tag bewältigen. Und da fremde Hilfe dabei verboten ist, müssen die Radfahrer sowohl ihre Verpflegung als auch ihre Übernachtungsausrüstung selbst transportieren.
Worauf kommt es beim Bikepacking an?
Beim Bikepacking gilt es also ausreichend Verpflegung und die Ausrüstung für mindestens eine Übernachtung mit sich zu transportieren. Um den Fahrkomfort und die Effizienz nicht durch zu viel Gepäck zu beeinträchtigen, zählt das Prinzip der Einfachheit: Also je weniger Gepäck, desto besser. Das Reisen mit leichtem Gepäck erleichtert also das Fahren. Aber nicht nur die Menge spielt eine wichtige Rolle. Denn es kommt auch darauf an, wie das Gepäck am Rad befestigt wird. Idealerweise werden die Taschen direkt am Rahmen, Sattel und Lenker befestigt. So verlagert sich der Schwerpunkt zur Mitte und nach unten und das Bikepacking Fahrrad wird geländetauglicher.
Bikepacking vs. Touring: Was ist der Unterschied?
Wie wir gesehen haben, ist das Bikepacking eine spezielle Art des Reisens mit dem Fahrrad, bei der sich der Reisende selbst versorgt. Es unterscheidet sich also in mehreren Punkten vom klassischen Touring. Zum einen handelt es sich beim Bikepacking nicht nur um einen Tagesausflug. Es wird entsprechend sowohl mehr Gepäck als auch Kondition benötigt. Zum anderen dient das Rad beispielsweise beim Bike & Hike Touring dazu, möglichst nah an die Bergspitze zu gelangen. Die letzten Höhenmeter werden schließlich zu Fuß bewältigt. Die Fahrt ist also nur ein Teil der Reise, anders als beim Bikepacking.

Welches Fahrrad eignet sich zum Bikepacking?
Wer Lust auf ein Abenteuer hat und einen Bikepacking-Trip plant, der sollte bestens vorbereitet sein. Dazu gehört auch das richtige Fahrrad. Für Ihre erste Tour ist es nicht notwendig, sich ein teures Rad anzuschaffen. Unternehmen Sie hingegen regelmäßig solche Touren, könnte sich der Kauf hingegen wieder lohnen – abhängig von Ihren Präferenzen und Anforderungen.
Die meisten Bikepacker wollen an abgelegene Orte und in die Natur fahren. Daher ist es wichtig, dass das Rad auch im Gelände eine gute Figur macht. Am besten dafür eignen sich ein Mountainbike oder Gravelbike. Andere Kriterien wie Material und Schaltung spielen nur eine untergeordnete Rolle. Im Folgenden möchten wir Ihnen die vier beliebtesten Fahrradarten für das Bikepacking vorstellen:
-
Fully: Dieses Fahrrad bietet den größten Fahrspaß unter den vier vorgestellten Arten. Allerdings müssen Sie hier mit dem Beladen aufpassen, denn große Rahmentaschen lassen sich oft nur schwer anbringen. Zudem verfügt ein Fully über viele bewegte Teile und ist daher am anfälligsten für Defekte. Das kann besonders auf abgelegenen Touren problematisch sein.
-
Hardtail: Anders als beim Fully ist hier das Anbringen großer Taschen aufgrund der Rahmenform besonders einfach. Und auch in Sachen Stabilität und Gewicht punktet diese Art und eignet sich daher optimal als Bikepacking Fahrrad.
-
Gravelbike: Das Gravelbike ist sozusagen eine Mischung aus Mountainbike und Rennrad – schnell und leicht, aber auch geländegängig und robust konstruiert. Es ist ohne Frage eine der beliebtesten Bikepacking Fahrradarten. Gravelbikes wurden speziell für Komfort und Ausdauer entwickelt, ermöglichen eine entspannte Sitzposition und verfügen in der Regel über Befestigungspunkte für Taschen und Gepäckträger. Die perfekte Balance zwischen Geschwindigkeit und Stabilität!
-
Fatbike: Das Fatbike ist mit breiten Reifen ausgestattet und bietet dadurch auch auf losem Untergrund Vortrieb. So macht das Fahren auch unter winterlichen Bedingungen Spaß. Allerdings eignet es sich auf asphaltierten Wegen weniger gut als das Gravelbike.
Welche Taschen werden zum Bikepacking benötigt?
Um die Ausrüstung wie Proviant, Kleidung und Schlafsack sicher zu verstauen, sind Taschen nötig. Obwohl Sie grundsätzlich jede Tasche nutzen können, die am Rad befestigt werden kann, sollten Sie insbesondere bei kühlerem Wetter darauf achten, dass die Taschen wasserdicht sind. Im Grunde lassen sich vier Arten von Bikepacking Taschen unterscheiden:
- Lenkertaschen: Hier lassen sich leichte und sperrige Gegenstände optimal verstauen. Dazu gehören Kleidung, Schlafsäcke und Karten oder Navigationsgeräte. Die Lenkertasche lässt sich direkt an Lenker und Steuerrohr befestigen und erlaubt Ihnen schnell und einfach Zugriff auf essenzielle Gegenstände.
- Satteltaschen: Diese werden an der Sattelstütze befestigt und beherbergen Gegenstände, die nicht ständig – vor allem nicht während der Fahrt – benötigt werden. Zum Beispiel Verpflegung, Zelt und zusätzliche Kleidung.
- Rahmentaschen: Befestigt werden sie im Rahmendreieck des Fahrrads, also zwischen Oberrohr, Unterrohr und Sattelrohr. Darin können Sie Gegenstände wie Ersatzteile und Werkzeuge, aber auch Snacks verstauen. Also zum einen, Dinge, die das Gewicht zentral halten und zum anderen Dinge, auf die Sie schnellen Zugriff brauchen.
- Gepäckträgertasche: Sofern ein Gepäckträger vorhanden ist, gibt es hier weiteren Stauraum für Ausrüstung und Verpflegung, besonders für schwere Gegenstände.
Die richtige Ausrüstung für das Bikepacking
Ich packe meine Bikepacking-Taschen und hinein kommt … alles, was Sie für eine mehrtägige Tour mit Übernachtung benötigen. Das heißt: Kleidung, Fahrradzubehör, Navigation, Erste-Hilfe, Camping- und Übernachtungsausrüstung. Wählen Sie dafür am besten leichte und kompakte Ausrüstung und verzichten Sie auf Dinge, die nicht wirklich notwendig sind.
Bikepacking Packliste: Must-Haves
Kleidung:
- Trikot – kurz- und langarm
- Hose und Beinlinge
- Socken
- Fahrradschuhe
- Wetterfeste Jacke
- Unterwäsche und Socken
- Radhandschuhe
- Radbrille
- Helm und Helmmütze
Fahrradzubehör:
- Fahrradschloss
- Luftpumpe
- Ersatzteile
- Kettenöl
- Beleuchtung (vorne und hinten)
- Reifenreparaturset
- Multitool
- Wasserdichte Taschen (Rahmen-, Lenker-, Sattel- und Oberrohrtasche)
Navigation:
- Navigationsgerät oder Smartphone mit Halterung
- Ladekabel und Powerbank
- Ggf. Karte
Erste-Hilfe:
- Erste-Hilfe-Set mit Pflaster, Desinfektion, Verband usw.
- Persönliche Medikamente
- Sonnenschutz
- Insektenschutz
Camping- und Übernachtungsausrüstung:
- Leichtes Zelt oder Tarp
- Schlafsack
- Isomatte
- Outdoorkocher
- Proviant für mehrere Tage
- Leichtes Kochgeschirr
- Besteck und Becher
- Wasserflasche
- Wasserreinigungstabletten oder -filter
- Camping-Lampe
Sonstiges:
- Personalausweis, Geld und Kreditkarte
- Notizbuch und Stift
- Kamera oder Smartphones für Bilder
Fahrrad fürs Bikepacking richtig beladen
Beim Bikepacking wird das Gepäck sicherlich umfangreicher ausfallen als bei einem klassischen Tagesausflug. Entsprechend ist es wichtig, dass Sie Ihre Ausrüstung direkt ans Rad schnallen, um weder an Wendigkeit noch an Tempo zu verlieren. Für schwere Gepäckstücke eignen sich Seiten- und Lenkertaschen weniger gut. Der Schwerpunkt sollte stattdessen möglichst tief liegen. Das heißt: Schwere Ausrüstungsgegenstände so tief und nahe am Rad wie nur möglich verstauen. Wie Sie Ihre Taschen am besten packen, schauen wir uns im Folgenden an:
- Lenkertasche: Hier finden leichte Gepäckstücke und Dinge, zu denen Sie schnellen Zugriff benötigen, Platz. Dazu gehören Isomatte, das Erste-Hilfe-Set, Snacks, Navigation und Regenschutzbekleidung.
- Rahmentasche: Die Rahmentasche bietet sich, wie bereits erwähnt, besonders für schwere Gegenstände an. So kann der Schwerpunkt optimal bestimmt werden. Hier verstauen Sie Zelt, Proviant, Kocher, Wasser, Elektronik, Werkzeug und Ersatzteile.
- Satteltasche: Die Satteltasche zu guter Letzt hat ein großes Volumen und bietet daher Platz für Dinge, die während der Fahrt nicht unbedingt benötigt werden. Darunter Kleidung, Schlafsack und Gaskartuschen.
Die ideale Tourenplanung
Wer Lust auf Abenteuer und Freiheit hat, kann es kaum erwarten, einfach loszufahren. Doch vor allem als Einsteiger sollten Sie sich bei der ersten Tour nicht gleich übernehmen. Fangen Sie am besten mit einer zweitägigen Tour an und verlängern Sie die Strecke Mal für Mal. So erkennen Sie auch schnell, ob Sie zusätzliches Gepäck benötigen oder überflüssige Gegenstände weglassen können.
Was die Tourenplanung angeht, sollten Sie auch ein paar Punkte beachten. Zum einen gilt es die Länge und Abgeschiedenheit der Tour langsam zu steigern. Achten Sie besonders als Anfänger darauf, gut ausgebaute Fernwanderwege zu wählen. So bleiben Sie immer in der Nähe der Zivilisation und die Navigation gestaltet sich einfach. Zum anderen sollte die erste Tour am besten bei gutem Wetter geplant sein, denn winterliche Touren verlangen einiges ab. Auch hier können Sie sich Schritt für Schritt steigern.
Tipps für das erste Bikepacking Abenteuer
- Wählen Sie das passende Bikepacking Fahrrad für Ihre Bedürfnisse.
- Starten Sie am besten mit einer zweitägigen Tour und lernen Sie so, worauf es ankommt: Benötige ich zusätzliches Gepäck? Kann ich unnötige Gegenstände weglassen? Wo liegt meine Grenze?
- Wählen Sie am Anfang gut ausgebaute Wege und gutes Wetter.
- Sie können Länge und Abgeschiedenheit Schritt für Schritt steigern.
- Achten Sie auf die optimale Verteilung des Gepäcks: Der Schwerpunkt muss mittig unten liegen, um weder Wendigkeit noch Geschwindigkeit zu beeinträchtigen.
- Prüfen Sie vor der Abfahrt, ob Sie alle nötigen Gegenstände im Gepäck haben.